Preise einordnen
Dieselbe Arbeit, andere Postleitzahl: woher der Aufschlag kommt
Jede Vorhaben-Seite dieser Anwendung nennt am Ende ihrer Preistreiber einen Regionalfaktor, und jede nennt nur ihren eigenen. Nebeneinandergelegt ergeben die sechzehn Faktoren eine Regel, die auf keiner einzelnen Seite stehen kann: Der Abstand zwischen billiger und teurer Gegend wächst mit dem Lohnanteil.
Betrifft
Sanitär- und Heizungsarbeiten, Fliesenlegerarbeiten, Photovoltaikanlage, Elektroinstallation, Bodenbelagsarbeiten, Entsorgung und Containerdienst
Die kurze Antwort steht in einer Zahl und einer Einschränkung. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Postleitzahlbereich liegen in unserer Wissensschicht je nach Gewerk 23 bis 41 Prozent1. Und dieser Abstand ist keine Eigenschaft der Region, sondern eine des Gewerks: Er wächst mit dem Anteil, den die Arbeitszeit an der Rechnung hat.
Daraus folgt etwas, das der verbreiteten Vorstellung widerspricht. Ein Umzug desselben Vorhabens von Mecklenburg-Vorpommern nach München bewegt eine Badsanierung erheblich und eine Solaranlage kaum. Wer für beide denselben Aufschlag annimmt, rechnet bei einem von beiden deutlich daneben.
Was dieser Index ist und was er nicht ist
Er ist unser eigener. Zu jedem der sechzehn Gewerke führt diese Anwendung eine Tabelle von Postleitzahlbereichen mit einem Faktor, mit dem die Positionen dieses Gewerks multipliziert werden, bevor eine Spanne in Ihrer Projektakte steht1. Die Werte sind von Hand gepflegt und werden nicht aus einem Marktbericht übernommen.
Das ist zugleich seine Grenze, und wir schreiben sie lieber hin, als sie zu verschweigen: Ein handgepflegter Faktor ist eine begründete Annahme und keine Erhebung. Er wird dadurch nicht beliebig, denn er wird an denselben Positionen gemessen, mit denen der Bau-Agent später rechnet, und ein Faktor, der die Angebote systematisch verfehlt, fällt beim ersten Vergleich auf. Aber er ist eine Aussage dieses Hauses und keine amtliche Statistik.
Die Rangfolge der Bereiche ist über alle Gewerke hinweg dieselbe. Oben stehen München und Umgebung, danach Hamburg, dann der Rhein-Main-Raum und Stuttgart, dann Berlin. Unten stehen Leipzig, Halle und der Nordosten. Verschieden ist nicht die Reihenfolge, sondern der Abstand zwischen oben und unten.
Die Spanne folgt dem Lohnanteil
Nebeneinandergelegt ordnen sich die sechzehn Gewerke fast lückenlos nach einem einzigen Merkmal. Je mehr von der Rechnung Arbeitszeit ist, desto weiter liegen die Enden auseinander. Je mehr davon ein Produkt mit überregionalem Preis ist, desto enger.
| Gewerk | Abstand günstigste zu teuerster Postleitzahl |
|---|---|
| Sanitär- und Heizungsarbeiten | 41 Prozent |
| Fliesenlegerarbeiten | 40 Prozent |
| Elektroinstallation, Zimmererarbeiten | 37 Prozent |
| Dachdecker, Trockenbau, Bodenlegearbeiten | 36 Prozent |
| Erd- und Betonarbeiten | 32 Prozent |
| Gerüstbau | 30 Prozent |
| Rollladen- und Sonnenschutzarbeiten | 24 Prozent |
| Photovoltaik | 23 Prozent |
Der Grund ist kein Geheimnis, aber er wird selten ausgesprochen. Ein Modul, ein Wechselrichter und ein Speicher haben einen überregionalen Preis; wer sie in Rostock einbaut, kauft sie zum selben Kurs wie in München. Eine Montagestunde hat den nicht. Deshalb ist Photovoltaik das Gewerk mit dem engsten Band und die Sanitärinstallation das mit dem breitesten.
Ein zweiter Punkt gehört dazu, weil er die Ordnung erklärt und zugleich ihre Ausnahmen. Regional streut nicht allein der Lohn, sondern alles, was ein Betrieb neben dem Lohn trägt: Werkstatt und Lagerfläche zu örtlichen Mieten, Fahrzeuge, Anfahrtszeiten in dichten Ballungsräumen und die Auslastung, die darüber entscheidet, ob ein Auftrag überhaupt gebraucht wird. Deshalb liegen Gewerke mit hohem Maschinen- und Fahrzeuganteil nicht exakt dort, wo ihr reiner Lohnanteil sie hinsetzen würde, und deshalb ist die Reihenfolge fast lückenlos und nicht ganz.
Vier Vorhaben, vier Empfindlichkeiten
Ein Vorhaben erbt die Spanne seiner Gewerke, und weil die meisten Vorhaben mehrere führen, ist das Ergebnis eine Mischung.
Die Badsanierung ist der empfindlichste Fall dieser Anwendung. Sechs Gewerke arbeiten in einem kleinen Raum, alle sechs sind Lohngewerke, und die Fliese, also der einzige größere Materialposten, kaufen Sie ohnehin selbst. Die Positionen dazu stehen unter Badsanierung, Kosten.
Die Solaranlage ist der unempfindlichste. Der größte Posten ist ein Produkt, und die Arbeit daran ist ein kleinerer Teil der Summe. Der Standort verschiebt hier weniger als die Frage, womit das Dach eingedeckt ist; die Rechnung dazu steht unter Solaranlage, Kosten.
Der Treppenlift ist der lehrreichste, weil er beides in einem Auftrag zeigt. Der Lift kommt von einem Hersteller und kostet bundesweit ungefähr dasselbe. Der Elektroanschluss daneben kommt von einem Betrieb um die Ecke und trägt die volle Spanne seines Gewerks. Zwei Zeilen auf derselben Rechnung, zwei verschiedene Empfindlichkeiten, siehe Treppenlift, Kosten.
Der Bodenbelag ist der reinste Fall. Das Material suchen Sie selbst aus, alles Übrige ist Arbeitszeit, und entsprechend voll schlägt der Standort durch.
Warum die amtliche Statistik diese Frage nicht beantwortet
Es liegt nahe, hier nach dem Baupreisindex zu greifen, und er hilft an genau einer Stelle nicht weiter. Das Statistische Bundesamt meldet für Februar 2026 einen Anstieg der Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, und es weist dabei aus, dass sich Ausbauarbeiten mit 3,8 Prozent weiterhin stärker verteuern als Rohbauarbeiten mit 2,7 Prozent2.
Diese Meldung bestätigt den Mechanismus und beantwortet die Frage nicht. Sie zeigt, dass der lohnlastige Ausbau schneller steigt als der materiallastige Rohbau, und stützt damit genau die Ordnung in der Tabelle oben. Sie misst aber die Zeit und nicht den Ort: Eine Aufteilung nach Bundesländern enthält sie nicht2.
Das ist der Grund, warum an dieser Stelle ein eigener Index steht und keine Fundstelle. Wer die Frage nach dem Ort beantworten will, muss sie selbst beantworten und dazusagen, dass er es tut.
Was das für Ihre Anfrage heißt
Für die Anfrage brauchen Sie nichts davon zu wissen. Ihre Postleitzahl geben Sie ohnehin an, und der Faktor wird angewandt, ohne dass Sie ihn nennen müssen.
Wofür es sich lohnt: für die Einordnung fremder Zahlen. Ein Quadratmeterpreis aus einem Forum, aus einer Nachbarschaft oder aus einem Ratgeber trägt seinen Standort nicht mit sich. Wenn Sie ihn gegen ein Angebot halten, vergleichen Sie zwei Zahlen, von denen eine an einem anderen Ort entstanden ist, und je lohnlastiger das Gewerk, desto weniger sagt der Vergleich.
Nicht sinnvoll ist der umgekehrte Schluss. Ein Betrieb aus einer günstigeren Gegend rechnet nicht dadurch günstiger, dass er weiter weg sitzt: Anfahrt und Reisezeit gehören zu den Zuschlägen, die den Unterschied überhaupt erst machen. Der Regionalfaktor beschreibt, wo Ihre Baustelle liegt, und nicht, wo Sie suchen sollten.
Häufige Fragen
- Sind eure Faktoren nachprüfbar?
- Nachvollziehbar ja, nachprüfbar nur teilweise. Sie stehen je Gewerk in der Wissensschicht und werden auf jede Position angewandt, sodass Sie die Wirkung an der Spanne in Ihrer Projektakte sehen1. Was wir nicht liefern können, ist eine amtliche Quelle für den einzelnen Wert, weil der Baupreisindex keine Länderergebnisse ausweist2. Wir kennzeichnen den Index deshalb als das, was er ist, statt ihm eine Herkunft zu geben, die er nicht hat.
- Warum ist Photovoltaik so viel enger als das Bad?
- Weil dort ein Produkt den größten Teil der Rechnung trägt und hier die Arbeitszeit. Module und Speicher haben einen überregionalen Preis, eine Montagestunde nicht. Dasselbe Muster erklärt den Treppenlift: das Gerät bundesweit ähnlich, der Elektroanschluss regional gestreut.
- Zahlt man im Osten wirklich weniger für dieselbe Arbeit?
- In unserem Index ja, aber der Schnitt verläuft nicht zwischen zwei Landeshälften. Er verläuft zwischen Ballungsraum und Fläche, und er ist je nach Gewerk verschieden groß. Getragen wird er von Auslastung, örtlichem Preisniveau und den Kosten, die ein Betrieb neben dem Lohn schultert, und deshalb streut reine Handarbeit anders als ein Gewerk mit hohem Maschinenanteil.
- Lohnt es sich, den Auftrag über eine Landesgrenze zu vergeben?
- Für die Vermittlung nicht, und wir bilden das auch nicht ab. Der Faktor hängt am Ort der Baustelle, nicht am Sitz des Betriebs, und Anfahrt sowie Reisezeit fallen zusätzlich an. Sinnvoll ist der Blick nach nebenan bei der Terminlage, nicht beim Preis.
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