Nachweise und Pflichten
Der Energieausweis: wofür er gilt und wofür nicht
Ein Energieausweis ist kein Gütesiegel und kein Gutachten, sondern eine Auskunft mit einem Ablaufdatum. Ob Ihre Sanierung einen neuen auslöst, entscheidet dieselbe Schwelle, die auch darüber entscheidet, welche Dämmwerte Sie einhalten müssen.
Betrifft
Gerüstbauarbeiten, Maler- und Lackierarbeiten, Dachdeckerarbeiten, Zimmerer- und Holzbauarbeiten, Fenster- und Türarbeiten
Ein Energieausweis dient ausschließlich der Information über die energetischen Eigenschaften eines Gebäudes1. Das steht so im Gesetz, und es ist die wichtigste Aussage über dieses Dokument: Aus ihm folgt kein Anspruch, keine Zusage und keine Bewertung der Bausubstanz. Er ist zehn Jahre gültig1.
Für Eigentümer, die sanieren, sind zwei Fragen praktisch: Löst mein Vorhaben einen neuen Ausweis aus, und welche der beiden Bauarten brauche ich. Beides hängt an Schwellen, die im Gesetz stehen und in keinem Angebot.
Wann ein neuer Ausweis fällig wird
Ein Energieausweis ist auszustellen, wenn ein Gebäude neu errichtet wird, wenn es verkauft, wenn ein Erbbaurecht bestellt oder wenn eine Wohnung vermietet wird, und wenn an einem bestehenden Gebäude eine Änderung im Sinne des § 36 vorgenommen wird2.
Der letzte Fall ist der, der bei einer Sanierung greift, und er ist an dieselbe Schwelle geknüpft wie die Dämmwerte selbst. Von den Anforderungen ausgenommen sind nach § 36 Änderungen, die nicht mehr als zehn Prozent der gesamten Fläche der jeweiligen Bauteilgruppe betreffen3. Bauteilgruppe heißt dabei die gesamte Fläche dieser Art am Gebäude, nicht die Fläche der Baustelle.
Daraus folgt eine Regel, die sich an den Mengen Ihres Vorhabens ablesen lässt und nicht am Anlass:
- Eine Dämmung der gesamten Außenwand überschreitet die Schwelle. Die Anforderungen greifen, und ein Ausweis wird fällig.
- Eine einzelne neu verputzte Giebelwand bleibt häufig darunter, weil sie gemessen an der gesamten Außenwandfläche des Hauses klein ist.
- Zwei getauschte Fenster in einem Haus mit zwanzig bleiben ebenfalls darunter. Der Tausch aller Fenster nicht.
Welche Bauteilgruppe betroffen ist und wie groß sie am Gebäude insgesamt ist, steht in der Projektakte als Menge. Genau diese Zahl entscheidet, und sie steht in aller Regel in keinem Angebot.
Bedarf oder Verbrauch: zwei Ausweise, zwei Aussagen
Ein Energieausweis ist entweder ein Energiebedarfsausweis oder ein Energieverbrauchsausweis; beide Angaben dürfen auch zusammen ausgewiesen werden1.
Der Bedarfsausweis rechnet das Gebäude durch: Bauteile, Flächen, Anlagentechnik. Er beschreibt, wie viel Energie das Haus bei genormter Nutzung brauchen würde. Der Verbrauchsausweis wertet aus, was tatsächlich verbraucht wurde, und misst damit auch das Heizverhalten der bisherigen Bewohner mit. Ein sparsamer Vormieter macht ein schlechtes Haus rechnerisch besser.
Für eine Sanierungsentscheidung ist deshalb der Bedarfsausweis der brauchbarere, weil er auf das Bauteil zeigt und nicht auf die Gewohnheit. Er kostet mehr, weil jemand das Gebäude aufnehmen muss.
Ein Hinweis, der im Angebot stehen müsste
Dieselbe Vorschrift, die über die Schwelle entscheidet, verpflichtet bei kleineren Wohngebäuden auch zu einem vorherigen Beratungsgespräch, und sie verpflichtet den Betrieb, im Angebot darauf hinzuweisen3. Den genauen Zuschnitt dieser Pflicht führt Fassade dämmen, Förderung.
Für Sie ist daran vor allem eines brauchbar: Der Hinweis ist ein Prüfstein. Taucht er in keinem der Angebote auf, die Sie erhalten, sagt das etwas über die Betriebe und nichts über die Rechtslage.
Wer ihn ausstellen darf
Ausstellungsberechtigt ist nicht, wer sich dafür hält, sondern wer unter § 88 fällt4. Das Gesetz zählt fünf Gruppen auf: Personen, die nach Landesbaurecht Nachweise zum Wärmeschutz unterzeichnen dürfen; Hochschulabsolventen aus Architektur, Bauingenieurwesen, Physik oder verwandten technischen Fächern mit passendem Studienschwerpunkt oder zwei Jahren Berufserfahrung; Handwerksmeister und Angehörige zulassungspflichtiger Bauhandwerke mit den zugehörigen Voraussetzungen; staatlich anerkannte Techniker mit Schwerpunkt Gebäudehülle, Heizung oder Lüftung; sowie Personen, die nach Landesrecht dazu ermächtigt sind.
Eine Einschränkung ist leicht zu übersehen: Wurde die zugrunde liegende Schulung auf Wohngebäude beschränkt, darf die betreffende Person auch nur für Wohngebäude ausstellen4.
Was das für Ihre Anfrage heißt
Der Ausweis ist eine Folge Ihres Vorhabens und keine Vorbedingung, aber die Schwelle, die ihn auslöst, ist dieselbe, die auch die Dämmwerte auslöst. Wer sie kennt, bevor er anfragt, stellt die Aufgabe anders: Eine Maßnahme knapp unterhalb der zehn Prozent ist rechtlich eine andere Maßnahme als eine knapp darüber, bei gleicher Optik und ähnlichem Preis.
In der Projektakte stehen deshalb die Mengen je Bauteilgruppe und nicht nur die Fläche der Baustelle. Was niemand kennen kann, bleibt als offener Punkt stehen, statt geschätzt zu werden. Wenn Sie später einen Ausweis erstellen lassen, ist das dieselbe Aufnahme, die dann nicht zweimal gemacht werden muss.
Häufige Fragen
- Ich saniere und verkaufe nicht. Brauche ich trotzdem einen?
- Nur wenn Ihre Änderung die Schwelle des § 36 überschreitet23. Unterhalb davon löst die Sanierung allein keine Pflicht aus. Beim späteren Verkauf oder bei einer Vermietung gilt die Pflicht unabhängig davon, was Sie gebaut haben.
- Wie lange gilt der Ausweis, den ich schon habe?
- Zehn Jahre ab Ausstellung1. Ein laufender Ausweis wird durch eine Sanierung nicht automatisch ungültig; er beschreibt dann allerdings einen Zustand, den es nicht mehr gibt, und das fällt spätestens beim Verkauf auf.
- Sagt ein guter Ausweis etwas über die Bausubstanz?
- Nein. Er dient ausschließlich der Information über die energetischen Eigenschaften1. Feuchte, Risse, Tragwerk und Leitungen kommen darin nicht vor. Für die Frage, ob ein Bauteil repariert oder ersetzt wird, ist er kein Maßstab; dafür siehe Reparieren oder erneuern.
- Verbrauchsausweis oder Bedarfsausweis, wenn ich die Wahl habe?
- Für eine Sanierungsplanung der Bedarfsausweis, weil er auf Bauteile zeigt. Für eine reine Pflichterfüllung beim Verkauf ist der Verbrauchsausweis meist der günstigere Weg, sofern er im konkreten Fall zulässig ist.
Dazu passt
Das Vorhaben, auf das dieser Artikel zuläuft. Dort stehen Kostenspannen mit Herkunft, hier stehen sie nicht.
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